Den Eifelsteig wandern: Vegan, mit Hund, Etappe 7

Den Eifelsteig wandern: Vegan, mit Hund
Etappe 7: Blankenheim nach Mirbach: 17,7 km + 4 km von Blankenheimerdorf nach Blankenheim, Schwierigkeitsgrad: mittel
Unterkunft: wieder zuhause
Wieder Verzweiflung beim Frühstückstisch. Nicht von meiner Seite, sondern von Frau Breuer. Auch sie meint es nur gut mit mir, aber mit über 70 ist das Vegansein so exotisch für sie, wie Reggae und Rastalocken. Nun ja, die Auswahl beschränkt sich wieder auf Brötchen mit hausgemachter Marmelade und etwas Obst. Aber ich treffe nicht auf komplettes Unverständnis. Ihre jüngere Schwester ist Vegetarierin und als ehemalige Krankenschwester kennt sie sich zumindest mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten aus. Zwei Frauen, die etwas älter sind, fragen mich “Löcher in den Bauch” über meine Solowanderung. Der Hauptmerk ist auf dem Thema, ob ich denn als Frau keine Angst hätte allein zu wandern. Ich erwidere, dass ich nicht allein bin, denn ich habe Emma. Nach etwas Erklärung verstehen sie meine Begeisterung mit Hund unterwegs zu sein. Ich spüre ihre Bewunderung mir gegenüber. Ich finde nicht, dass ich etwas Besonderes tue, aber ich glaube für die meisten ihrer Generation wäre es schon eine Überwindung den Eifelsteig “allein” zu gehen.
Es ist ein herzlicher Abschied von Frau Breuer und jetzt muss ich erst mal 4 km nach Blankenheim gehen um den Etappenstart zu finden. So früh am Morgen hab ich noch keine Lust eine Stadtbesichtigung zu machen, doch Blankenheim hat eine Burg und einen schönen historischen Ortskern, der sicherlich sehenswert ist. Doch ich will wandern. Heute ist mein letzter Tag. Es ist auch der letzte volle Tag in Nordrhein-Westphalen. Die Etappe endet in dem ersten Ort in Rheinland-Pfalz Mirbach. Ein Ort, in dem es keine Unterkunft mit Hund gibt und auch nichts in der Nähe (weder per Bus, noch per extra Fußweg), deshalb endet meine Wanderung auch dort.
Auch heute verläuft der Eifelsteig mehr über Wiesen-, als über Waldwege. Das Gelände ist offener und auch die Sonne scheint wieder. Meine 7-tägige Wanderung wird wohl nur einen Regentag, den ersten, gehabt haben. Bei Alendorf gehen wir einen Kreuzweg hoch, so eine Art Kalvarienberg. Das schöne daran ist, dass der ganze Berg mit Wacholderheiden bewachsen ist, etwas sehr seltenes. Zudem ist der Ausblick spektakulär. Es steht auch so eine schöne Holzliegebank dort. Da muss ich mich einfach drauflegen und etwas Zeit verweilen! Ach, ich werde schon etwas melancholisch und nachdenklich. Mein letzter Wandertag! 7 Tage ohne Smartphone (ausser um Pensionsadressen zu finden), ohne Tiernotfälle, ohne Arbeit…aber auch ohne meinen Kater Ilaka. Oh, hier denkt ihr euch vielleicht, dass ich die Menschen in meinem Leben nicht vermisse. Ja, die vermisse ich auch, aber nicht in 7 Tagen. 
Ich komme schon früh am Nachmittag in Mirbach an, muss dann noch fast 3 Stunden warten bis meine Schwester mich abholen kann. Ich warte bei der Erlöserkapelle, denn in ganz Mirbach gibt es an einem Wochentag keine Gaststätte, die offen ist. Zufälligerweise treffe ich die zwei älteren Frauen vom heutigen Frühstückstisch bei Frau Breuer nochmal. Und wieder unterhalten wir uns ganz nett. Stellt sich raus, dass sie pensionierte Grundschullehrerinnen sind. Da hab ich immer viele Fragen, denn für kurze Zeit in meinem Leben habe ich auch mal unterrichtet, allerdings in den USA.
Noch ein Tip: mit Emma ist es natürlich schwer, Gebäude zu besuchen, in denen sie nicht willkommen ist. Und sie draussen anbinden, fällt mir unglaublich schwer. Ich muss schon ein Auge auf sie haben, um mich dazu zu überwinden. Deshalb habe ich auf meiner Wanderung keine Kirchen oder Kapellen besichtigt. Aber die zwei Grundschullehrerinnen haben mir diese Kapelle in Mirbach sehr empfohlen und da sie noch da waren und auf Emma aufpassen konnten, bin ich reingegangen. Und sie ist wirklich wunderschön innen drinnen. Irgendwie russisch-orthodox, obwohl der Stil neo-romantisch sein soll. Das ganze Innere ist mit vergoldetem Mosaiksteinchen bedeckt. Die Gemeinde hat sicherlich noch keine 100 Einwohner, wenn auch 1000 Kühe, aber diese Kapelle ist aussergewöhnlich.
So, nun zum Fazit meiner Eifelsteigwanderung zum Halbetappenziel:
Ich hab Lust auf MEHR! Ich möchte die restlichen 8 Etappen bis zum Etappenziel Trier auf jeden Fall noch beenden, vielleicht nächstes Jahr in einer Woche oder vielleicht in einigen Wochenendwanderungen. Ich habe meine körperliche Fitness auf jeden Fall überschätzt. Nicht die Kilometerzahl hat mich “fertig gemacht”, sondern die Kilometerzahl mit Gepäck auf dem Rücken. Das bin ich auf keinen Fall gewohnt gewesen. In gewisser Weise ist es gut, dass ich nicht wusste, was auf mich zukam, sonst hätte ich es nicht durchgehalten. Aber die Zeit in der wunderschönen Natur, die Ruhe, die Zweisamkeit mit Emma und auch die netten Begegnungen mit meinen Mitmenschen haben dies zu einer ganz besonderen Erfahrung gemacht. Ich bin zwar nicht den Mount Everest erklommen, aber ich musste mich einigen körperlichen und logistischen Herausforderungen stellen, die mich stärker gemacht haben. In dem Moment, in dem man in der Herausforderung steckt, wünscht man sich nichts Sehnlicheres, als da raus zu sein. Man denkt, warum muss alles nur so kompliziert sein oder warum muss das mir jetzt passieren! Aber, wenn man es dann geschafft hat, überkommt einen dann doch einen gewissen Stolz.
Vegansein auf dem Eifelsteig: Nun ja, ihr habt gesehen, es ist genauso enttäuschend wie überall sonst in der Provinz. Das es anders geht, weiss ich. Das es nicht so kompliziert ist, weiss ich auch. Aber es dauert halt noch, bis diese Nachricht auch hier angekommen ist. Auch habe ich dazugelernt. Ich würde mich noch mit mehr veganem Proviant ausstatten, auch wenn das mehr Gewicht bedeutet. Denn diese weißen Brötchen jeden Morgen mit Marmelade…’ne, das kann ich einfach nicht Tag ein Tag aus.
Eifelsteig mit Hund: 100 %-ige Empfehlung. Emma hat soviel Spass gehabt und wenn ich es schaffe einen ganzen Tag zu gehen, dann schafft es ein gesunder, nicht alter, normal “beiniger” (also keine Toyrassen) Hund das doppelt und dreifach. Hundebesitzer unterschätzen die Fitness ihrer Hunde komplett. Natürlich, wenn es totale Stubenhocker sind und im Alltag nur wenig ausgeführt werden, dann kann man nicht direkt mit 20 Kilometer Märschen anfangen. Doch ein Hund, der 1 ½ – 2 Stunden am Tag rauskommt, der schafft 20 Kilometer auf Anhieb. Man hat ja den ganzen Tag, 6-8 Stunden, mit Pausen und man rennt ja nicht. Ich hab gedacht, es wären mehr Hunde unterwegs. Das war aber leider nicht so. Sehr schade, denn man baut eine starke Bindung zum Hund auf, wenn man wie im Wolfsrudel den ganzen Tag “streunert”.
Lasst uns alle mehr streunern! Bis zum nächsten Mal, auf dem Eifelsteig! Danke an alle Leser/innen!

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