Den Eifelsteig wandern: Vegan, mit Hund: Etappe 2

Den Eifelsteig wandern: Vegan, mit Hund
Etappe 2: Roetgen nach Monschau: 17 km: Schwierigkeitsgrad mittel (am Ende des Tages werden es dann doch 29 km werden)
Pension: “Zum müden Wandersmann” in Monschau-Höfen

Brrh…immer noch eiskalt oder noch kälter? Es ist noch leicht dunkel draussen, als ich den Stoffbehang vor dem Tipieingang zurückschlage um die Nebelschwaden, die von der aufgehenden Sonne verjagt werden, sehe. Es wird ein schöner Tag werden. Aber jetzt erst mal schnell eine Katzenwäsche, denn an Ausziehen meiner Kleidung ist nicht zu denken. Die nassen Sachen einpacken und über die geschlossene Schranke den Campingplatz verlassen. (Ich habe schon abends bezahlt. )
Es sind zurück zur letzten Eifelsteigmarkierung von gestern 3 km, doch ich hatte gestern nachmittag auf meinem Weg zum Campingplatz eine Bäckerei gesehen, wo ich heute morgen meinen heißersehnten Kaffee trinken möchte. Draußen an der Bäckerei Hess kann ich Emma anbinden und meinen Rucksack auf den Zementbänken abstellen. Die Angestellten sind so nett und machen mir ein frisch belegtes veganes Baquette zurecht mit Parmesan-freiem Pesto, Tomaten und viel Rucola. Dazu noch einen Riesenbecher Kaffee und ich bin überglücklich. Ein Motorradfahrer auf dem Weg zur Arbeit gesellt sich noch für eine kurze Zeit zu uns und wir reden über das Wandern mit Hund und wieviel lieber er jetzt auch unterwegs wäre als auf dem Weg zur Arbeit. Das kann ich gut nachvollziehen.
(In Roetgen hatten viele Mütter diese Cargoräder mit denen sie ihre Kinder in den Kindergarten gebracht haben. Fand ich toll!)
Ich begegne direkt am Anfang der Etappe zwei niederländischen Pärchen, die ich während des Tages immer wieder treffe, überhole oder sie mich überholen. Dabei entstehen schließlich nette Gespräche, die sich am frühen Morgen leider noch keiner getraut hat. Eigentlich schade.
Der Eifelsteig geht heute überwiegend durch Belgien. Es sind Pfade, hüsche Waldpassagen und asphaltierte Wege im Naturschutzgebiet Hohes Venn, doch zwei Sachen sind gravierend anders. Die Beschilderung ist schlechter. Daher verlaufe ich mich öfters und es besteht Leinenpflicht. Da ich sehr authoritätshörig bin, befolge ich diese Anweisung und Emma bleibt fast den ganzen Tag, aber zumindest während wir in Belgien sind, an der Leine. Ich weiß, sie hätte nichts gemacht, aber ich hatte halt auch Angst, dass vielleicht ein Jäger auf sie schießt oder sonstwas Verrücktes passiert. Das war nicht so schön und macht das Wandern anstrengender, denn ich kann nicht von ihr verlangen, dass sie stundenlang nur bei Fuß läuft und nicht mal schnuppert, stehenbleibt oder von Seite zu Seite wechselt.
Gegen mittag sind meine ganzen Füße voller Blasen. Auch habe ich schon mehrfach verschiedene Kleidungsstücke ausgezogen. Es ist warm heute, aber die Wanderschuhe sind die Hauptursache meines Diskomforts. Ich entscheide mich meine Sandalen anzuziehen und Aah….ich gehe wie auf Wolken. Sogar die Blasen stören mich nicht mehr. Jetzt ist mein Rucksack zwar noch schwerer, aber das war das letzte Mal, dass ich die Wanderschuhe anhatte. Meine Füße sind einfach nicht für geschlossenen Schuhe gemacht. Mich sieht man oft noch im November in Flip-Flops. 
Ich wandere, .langsam lasse ich den Alltag hinter mir. Ich komme gut voran, doch desto näher ich an Mützenich und Monschau komme, desto beschwerlicher, steiler und enger werden die Waldpfade. Da ich (fälschlischerweise) denke, dass ich in Monschau übernachte, mache ich nirgends länger eine Mittagspause und esse einfach nur meinen mitgebrachten Proviant. Ist noch von allem genug da.
Ich komme schließlich ziemlich erschöpft in Monschau an und denke mir, was für ein schönes Städtchen! Wieso bin ich noch nie hier gewesen? Ich spreche mit Einheimischen und sie sagen mir, dass es im Winter auch einen sehr schönen Weihnachtsmarkt hier gibt. Es ist schon ungefähr 1600 Uhr. Ich bin glücklich gleich meinen Rucksack ablegen zu können, mich zu duschen und dann schön zu Abendessen.
Nein, nein, verflucht nochmal nein! Das kann doch wohl nicht wahr sein!Ich hab die Adresse von meiner Pension rausgesucht und stelle fest, dass sie in Monschau-Höfen ist, einem Ort 6km von Monschau entfernt. Was mach ich jetzt? Es sind schon 1600 Uhr. Wie lange brauche ich für 6 km in meiner Verfassung? Und dann wieviele Kilometer sind es nochmal im Ort. Gestern habe ich gelernt, dies nicht zuvergessen.
Ich lass mir jetzt meine gute Stimmung nicht verderben. Schau mir das Städtchen Monschau an, trink ein grosses alkoholfreies Weizen, hab noch ein nettes Gespräch mit einer Hundebesitzerin und dann gehe ich die restlichen 6+ Kilometer nach Höfen. Zum Essen bleibt allerdings keine Zeit. Aber nur zur Info: in Monschau gibt es genug vegane Optionen, zwar nichts spezielles für uns, aber Falafel beim Türken und das Übliche beim Italiener. Also hier hätte ich heute abend auf jeden Fall was gefunden.
In einem Wort zusammengefasst: (Super) anstrengend und dazu noch eine Umleitung! Eine Umleitung auf dem Eifelsteig. Ich weiß garnicht, wieviele Kilometer es am Ende bis zur Pension waren, doch als die Besitzerin mich empfang, war ich heilfroh. Doch dann liess sie eine “Bombe platzen” indem sie mir sagte, dass auf dem Strassenweg, also nicht dem Eifelsteig, die Entfernung nur 1km gewesen wäre. Ich wollte schreien, konnte mich aber noch zusammenreißen.
Total am Ende meiner Kräfte, waren es 25 oder 27 km heute, (ach, und die 3 km in Roetgen bis zum Anfang des Steiges noch dazu) hab ich nur noch duschen können, eine grosse Flasche Sprudel getrunken und Nüsse gegessen. Emma und ich haben bis zum morgen durchgepennt! Hätte natürlich auch noch den einen Kilometer über die Strasse zurück nach Monschau zum Abendessen zurückgehen können. Und wieder zurück. Hell no!

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