Gegendarstellung zum Volksfreund-Artikel vom 18.08.2016 bzgl. des Ponykarussels auf der Wittlicher Kirmes

Ponykarussell auf der Säubrennerkirmes 2016 – TV Artikel vom 18.08.2016 – Gegendarstellung

Sehr geehrte Damen und Herren,

unsere Vorsitzende Frau Anke Zimmer sowie Frau Anja Zimmer (Vorstandsmitglied) haben im Jahr 2012 die Einladung von Herrn Kappes von der Stadt Wittlich angenommen, das Ponykarussell gemeinsam zu begutachten.

Während des Termins wurde jedoch schnell klar, dass wir nur eingeladen wurden, damit man später behaupten kann, selbst der Tierschutz hätte es abgesegnet. Dem war jedoch nicht so. Offensichtlich hatte die Stadt Wittlich überhaupt kein tatsächliches Interesse daran, sich mit dem Thema Tierschutz zu befassen. Der Termin wirkte vielmehr wie eine Alibiveranstaltung, denn abgesehen von der Führung durch die für diesen Termin natürlich schönstmöglich hergerichteten Anlage wollte man sich einer sachlichen Argumentation zu keinem Zeitpunkt stellen.

Warum ein Ponykarussell in der heutigen Zeit? Wir fragen uns, „Ist dies zeitgemäß?“ In einer Zeit, wo alles größer, schneller und lauter sein muss. Wieso müssen empfindliche Tiere einer solchen Kulisse ausgesetzt werden?

Die Gesellschaft entwickelt sich immer weiter. Hat sich vor 100 Jahren noch kaum jemand für die Bedürfnisse von Tieren interessiert, so sind wir heute sehr viel weiter. In allem wollen die Menschen den Fortschritt, in der Medizin, bei den Autos, Hausbau, Arbeit etc. Der ethische Fortschritt bleibt dahinter zurück. im Tierschutz soll alles so bleiben wie vor 100 Jahren.

Wie Pferdebesitzer wissen, ist das Führen im Ponykarussell, bei welchem die Pferde direkt hintereinander angebunden sind und in einem kleinen Kreis stundenlang immer in derselben Richtung gehen müssen, für solche Tiere eine extreme einseitige Belastung, die Gelenke und Muskulatur angreift und irreparable Schäden verursacht. Der Sattel, der normalerweise für Pferd und Reiter individuell angepasst werden muss, führt unangepasst zu dauerhaften Haltungsschäden. Das ständige Hintereinandergehen auf engstem Raum direkt hinter dem Vorderpferd ist für diese Tiere völlig unnatürlich und sorgt für zusätzlichen Stress und Belastung.

Nicht selten sind durch die Stricke Maulverletzungen vorprogrammiert. Die Ausbinder fixieren den Pferdekopf, sodass diese in einer optisch möglichst edlen Haltung im Kreis laufen. Für Pferde, die normalerweise instinktiv auf eine derartige Umgebung mit Flucht reagieren würden, bedeutet eine Kirmes, auf der sie fortwährend an ihren natürlichen Fluchtreflexen gehindert werden, eine extreme Stressbelastung.

Tiere leiden still. Sie können nicht sagen, das passt mir nicht, ich möchte ausweichen, das tut mir weh. Ponys, die nicht wie vorgegeben funktionieren, werden mit der Peitsche daran erinnert, dass sie zu folgen haben. Doch oftmals ist das gar nicht mehr nötig, der Wille der Tiere ist oftmals bereits gebrochen. Stolz erzählen die Betreiber manchmal von ihren z.B. 20 Jahre alten Ponys und sehen dies als Beweis für eine angeblich vorzügliche Haltung an. Leider bedeutet es nur, dass die Tiere seit zig Jahren Woche um Woche ihr Leben damit verbracht haben, stupide im Kreis zu laufen.

Mit ein wenig Information und Aufklärung kann man auch den Müttern und Vätern schnell bewusstmachen, dass ein Ponykarussell der falsche Ort ist, um sein Kind auf dem Rücken eines Pferdes „glücklich zu machen“. Kein Kind würde auf einem Kirmespony reiten wollen, wenn es wüsste, welchen Preis die Tiere dafür zahlen müssen. Eine respektvolle Begegnung zwischen Mensch und Tier sieht anders aus. Viele Reitställe bieten Schnupperstunden an, bei denen die Kinder den Umgang mit diesen wundervollen und sensiblen Tieren erlernen. Dadurch entsteht ein positives Erlebnis für Pferd und Reiter. Die Kinder werden sich lange daran erinnern. Glückliche Kinderaugen sind das Ergebnis, und ein Tier, das nicht zu einer Maschine degradiert wurde, um auf einer Kirmes stupide zu funktionieren.

Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass Säugetiere gleich dem Menschen Gefühle wie Schmerz, Freude und Traurigkeit empfinden können.

Der deutsche Tierschutzbund lehnt das Ponyreiten auf Volksfesten aus Gründen des Tierschutzes ab. Immer mehr Städte und Gemeinden nehmen sich dem Thema an und verzichten auf diese tierquälerische Darbietung von Tieren.

Pferde sind hoch entwickelte Lauf – und Fluchttiere, die in Herdenverbänden zusammenleben. In der freien Natur sind Pferde etwa 16 Stunden am Tag mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt. Sie sind an Sonne, Licht und frische Luft angepasst und als Fluchttiere immer wachsam und beobachten fortwährend ihre Umgebung auf Gefahren. Jeder Halter hat nach §2 TschG die Verpflichtung, sein Tier der jeweiligen Art entsprechend unterzubringen und zu versorgen. Weiterhin darf die Möglichkeit des Tieres zu einer artgemäßen Bewegung nicht so eingeschränkt werden, dass ihm Schmerzen, vermeidbare Leiden oder Schäden zugeführt werden. Das sehr zweifelhafte Vergnügen, auf einer Kirmes mit einem Pferd in einem kleinen Kreis zu laufen, rechtfertigt in keinster Weise die Leiden der Tiere.

Daher bitten wir alle Mitglieder des Stadtrates, sich Ihrer Verantwortung für die Genehmigung des Ponykarussells bewusst zu sein.

Mit freundlichen Grüßen

Förderverein Eifeltierheim e.V. Der Vorstand

 

Link zum Volksfreund-Artikel, auf den sich unsere Stellungnahme bezieht:

http://www.volksfreund.de/nachrichten/region/wittlich/aktuell/Heute-in-der-Wittlicher-Zeitung-Saeubrennerkirmes-Tierschuetzer-wollen-Reitkarussell-per-Online-Antrag-verbieten;art8137,4520611

 

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